PRAXIS

Sinnbus

Von der Idee zum Kulturbetrieb


Sinnbus fällt oft im gleichen Atemzug mit Bodi Bill. Seit 10 Jahren begleitet das Label und der Musikverlag Sinnbus die Band mitlerweile. Sie passen zusammen. Sie gehören zusammen, sind irgendwie auch Freunde. Auch wenn der Weg nicht immer Leicht war, wie ein Blick hinter die Kulissen zeigt. Jetzt gerade haben sich sich zusammen gerauft, gefangen. Sinnbus ist mehr als ein Dienstleister, der den Vertrieb einer CD/LP abwickelt. Sinnbus ist so eine Mischung aus Entwicklungshilfe und Familie, welche man im Indie-Sektor auch als Label bezeichnet.

Bodi Bill Live © Rosa Merk
Aller Anfang ist leicht

Am Anfang war bei Sinnbus alles ganz leicht. Sie waren eine große Gruppe, ein Kollektiv aus Bands und Bands und Bands. Und weil keiner die Platten veröffentlicht hat, hat man das eben selbst gemacht. Und D.I.Y. ist heute noch angesagt bei der Label-AG. Damals wie heute heißt das selber brennen, selber kleben und verschicken. Die Musik muss ja irgendwie an die Frau gebracht werden. Aus Label-AG ist dann das Label und eine GbR geworden. Die Jungs hatten ihren AG-Auftrag ernst genommen. Und da es aus einem Kollektiv gewachsen ist, ist es bis heute möglich mit geringen Kosten und viel Schweiß solch besondere Videos zu machen:

Die große Krise oder Es ist nicht alles Gold was glänzt.

Es ist diese prekäre Situation des Labels, dieser erarbeitete Status als sich tragendes Vollzeithobby, der Sinnbus durchaus auch im Weg steht. Ob das nun die Band ist, die sich nicht damit anfreunden will, dass ihr nicht von vornherein die Vollversorgung garantiert werden kann, oder der finanziell besser gestellte Geschäftspartner, der sich beschwert, dass das Label nie »mal richtig Geld in die Hand nehmen« könne, um seine Künstler »richtig« zu vermarkten. Aus solchen Floskeln spricht dann natürlich nicht zuletzt der Zynismus der etablierten Kreativwirtschaft, die stets auf die Grundlagenarbeit des Romantikers, des Selbstausbeuters, des Irren angewiesen ist, aber nach dem Erreichen einer gewissen Aufmerksamkeitsschwelle nur ungern von ihm gestört wird. Martin, einer der vier Gesellschafter, sieht das noch etwas detaillierter: »Im Grunde haben wir als Sinnbus eine gewaltige Schnittstelle zu Leuten, die angestellt im Musikbusiness arbeiten – und doch gibt es in unserer Arbeit wenig Überschneidungen. So steht denen ja permanent fremdes Geld zur Verfügung. Wir geben selten fremdes Geld aus, und auch wenn wir dabei nicht nicht immer die Schlauesten waren, haben wir uns das hier alles selbst erarbeitet. Natürlich kennen diese Leute, die uns dann sagen wollen, wie der Hase laufen müsste, auch die Schattenseiten dieser Arbeit. Aber im Gegensatz zu uns können die meisten dort eben auch mal die Tür zu machen, nach Hause gehen oder in den Urlaub fahren, ohne sich groß Gedanken machen zu müssen.«

Daniel, ein anderer Gesellschafter, erinnert sich an entsprechende Momente der Krise, an schwierige Phasen in der jüngeren Labelgeschichte: »Da wird dann eben über Anwälte kommuniziert, da sagt dir dann eben irgendein Controller, dass es ihm völlig egal sei, warum der Release nicht funktioniert hat, jetzt müsse eben dieser und jener Betrag gezahlt werden. Da ist ein Typ – ich weiß überhaupt nicht, wie der aussieht, was das für einer ist, ich hab noch nie mit dem zu tun gehabt – und der kommt hier hin und bringt uns in eine bedrohliche Situation. Als wenn hier einer durchs Fenster sagt: Ich mach euch fertig.«

Die ganze Geschichte gibt es im Buch.

Sinnbus heute

Sie haben die Krisen überwunden. Sie rudern, sie machen, sie entwickeln sich und erfinden sich immer wieder neu. Sinnbus ist in erste Linie Label und Verlag – soviel steht fest. Die großen Veranstaltungen haben sie hinter sich gelassen. Peter hat sich entschieden nun auch Fulltime bei Sinnbus zu arbeiten und die freiwilligen Helfer sind in großer Zahl vorhanden. Die Ressourcen müssen halt gut eingesetzt werden, denn jetzt veröffentlichen sie mehr wunderbare Musik als je zuvor. Eine Übersicht gibt es auf www.sinnbus.de. Sinnbus hat für die im Rahmen von PHASE 0 entstandenen Videos die Musik beigesteuert.

Über das Projekt

Sinnbus haben inzwischen mehr als 40 Alben veröffentlicht – darunter von Bands wie Seidenmatt, Hundreds und Bodi Bill. Das detailverliebte Label kann auf eine bewegte und spannende Vergangenheit voller Fehler, Glückstreffer und hart erarbeiteter Erfolge zurückblicken. Schwankend zwischen Versuch und Irrtum haben sie immer darauf bestanden, alles selbst zu machen. Ihre Leidenschaft und der starke Wille, es auch gut machen zu wollen haben sie wachsen lassen. Ihr Trial and Error-Prinzip hat sich ausgezahlt! Zwischen grandiosem Scheitern und unverschämten Glück haben sie sich behauptet. SINNBUS hat überlebt, hat sich mit den Jahren verändert, ist an seinen Aufgaben und Fehlern gewachsen, kann motivieren und überzeugen und empfiehlt: dran bleiben, nicht aufgeben, aufs Geld und die Liebe achten. Es ist also ganz einfach. Es funktioniert – immer alles richtig machen.

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