PRAXIS

Silent Climate Parade

Problembekämpfung in letzter Sekunde


Die Silent Climate Parade zeigt, dass Klimafreundlichkeit, Spass und politisches Engagement keine Widersprüche sein müssen. Sie ist eine Mischung aus Silent Disco, bei der Musik nur über Funkkopfhörer von den DJs auf Elektroautos an die Teilnehmer übertragen wird, und einer Demonstration. Hier tanzen Klima-Aktivisten für eine bessere Welt, in der es weniger um Verzicht geht, sondern um die Möglichkeiten, eine klimafreundlichere Zukunft selbst nach eigenen Interessen zu gestalten. Dabei ist für die Umstehenden zunächst gar nicht klar, worum es geht. Die Demo gibt sich als solche nicht so schnell zu erkennen. Beim Anblick der leisen Tänzer fragen sich viele: „Sind das Verrückte? Künstler? Was machen die da?“ Diese Neugier sorgt dafür, dass sich die Zuschauer länger mit der Parade auseinandersetzen, als bei einer normalen Demo. Die Schilder und die Flyer, die verteilt werden, erklären die Situation. Aufgrund des non-konfrontativen Charakters entstehen auch oft Dialoge mit den Zuschauern, die der Aktion so gut wie einstimmig positiv begegnen. Doch die Organisation einer solchen Parade, zumal rein ehrenamtlich, ist nicht immer einfach. Wie unser Blick hinter die Kulissen zeigt…

Die Silent Climate Parade 2010 in Berlin

Vor der Silent Climate Parade 2011

Die letzten drei Tage waren voller Arbeit. Viele Dinge mussten noch geklärt werden. So wurden die Flyer falsch gedruckt: statt im A5 Format, um dann auf A6 gefaltet zu werden, waren sie direkt auf A6 Papier hergestellt worden. Zwei Tage vorher sicherte die Druckerei zu, die Flyer neu drucken zu lassen. Diese sollten dann am Tag der Parade morgens ankommen. Am Tag vor der Parade erhielt ich einen Anruf von der Druckerei: der Neudruck der Flyer hatte nicht geklappt. Es gab nur die falsch gedruckten Flyer, bei denen die Schrift noch dazu recht klein war. Uns blieb nichts anderes übrig, wir warteten also auf die Fehldrucke.

Am Tag vor der Parade besuchte ich den Kunstworkshop von Kevin in einem Atelier in Neukölln. Es waren fast 15 Helferinnen und Helfer da und ich erkannte auch einige alte Bekannte wieder. Wir machten uns an die Arbeit und bemalten die Schilder, die an den Vortagen schon grundiert worden waren, mit einer Stencil-Technik: Wir benutzten Schablonen, die wir auf die Plakate legten und dann mit einem Rollpinsel bemalten. Das sah nicht nur sehr nach Street Art aus, sondern ging auch recht schnell. Andere bemalten Banner aus Stoff. Da alles ganz gut vorbereitet war, hatte ich ein sehr gutes Gefühl an diesem letzten Abend. Ich sprach noch mit dem Kopfhörerverleih, dass wir wirklich 1500 Kopfhörer haben sollten, auch wenn wir nur zu der Zeit nur mit ca. 1000 Menschen rechneten – wir wollten nicht in die Situation kommen, dass es nicht genügend Kopfhörer gab. Mehr konnten wir zu diesen Zeitpunkt nicht tun. Die Nervosität der letzten Tage wich einem Gefühl von Gelassenheit…

Die ganze Geschichte gibt es in unserem Buch.

Über das Projekt

Die SILENT CLIMATE PARADE Berlin ist leiser, aber bewegender Klimaschutz mit Elektro-Autos und einer von Solarstrom betriebenen Sendeanlage für drahtlose Kopfhörer. Weil CO2 ein unsichtbares Problem ist, musste eine „lautlose“ Lösung her. Die Idee der SILENT CLIMATE PARADE war geboren – eine etwas andere Demo, eine Party. Eben auf Berliner Art! Das Konzept stieß schnell auf Begeisterung und so konnte 2010 der nicht unbekannte Dr. Motte (Love-Parade) mit auf die Strecke genommen werden. Die Kernbotschaft ist bei vielen Menschen angekommen: Klimaschutz bedeutet nicht, dass man sich den Spaß verderben lassen! Leise und doch so wirkungsvoll wird versucht, den Klimawandel einzudämmen und eine erneuerbare Zukunft einzuleiten.

Mehr erfahren: www.climateparade.de

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