PRAXIS

la pampa Festival

Einmal etwas richtig großes machen


© Swen Rudolph

Da gab es also drei Leute, ansässig in Görlitz, Dresden und Berlin, die versuchten, neben Arbeit und/oder Studium eine Produktion auf die Beine zu stellen, die sie in dieser Größenordnung noch nie gemacht hatten und die wie nebenbei alles anders und besser machen sollte, als das Gros der kommerziellen Festivals im Lande. Ab Januar begannen sich daher die Ereignisse zu überschlagen und mit Sicherheit gingen hier Sachen schief, die langwierige Konsequenzen nach sich gezogen haben.

La pampa würde kein Geld abwerfen, soviel war klar, und alle Beteiligten hatten ein Leben abseits des Projekts (auch wenn das am Anfang anders wirkte). Lebensunterhalt musste verdient, Studien vorangetrieben werden. Die Konsequenz daraus: Persönliche Treffen der Macher waren selten und immer nur am Wochenende möglich. Wir mussten also eine Struktur finden, in der zeitnahe, kritische Entscheidungen effizient und auch ohne das Live-Gespräch getroffen werden konnten. Dezentrale Kommunikation wurde zur zentralen Herausforderung. Anfangs hatten wir es uns wirklich nicht leicht gemacht: E-Mail ist ja ein nützliches Werkzeug, aber eben nur für bestimmte Kommunikationszwecke. Gruppenverteiler mündeten häufig in mangelhafter Anteilnahme oder ausufernden, schriftlichen Diskussionen. Beide Probleme gibt es am Telefon nicht bzw. sind dort vermeidbar. Was zuerst oft gar nicht klar war: Telefonkonferenzen sind einfach nicht gleichwertig zu persönlichen Treffen. Zwar wird hier auch ausführlich diskutiert, aber es benötigt eine eigene Form der Diskussionsdisziplin und das visuelle Feedback fehlt komplett. Mit der Video-Option hat sich das deutlich gebessert. Plötzlich sieht man es nämlich, sollte jemand während der Skype-Konferenz geistig abgemeldet sein und die ganze Zeit nur die eigenen Mails checken. Die Findung effektiver Kommunikation bei dezentraler Organisationsstruktur war also ein Prozess, der bei uns ganze vier Jahre gedauert hat

Good Times © Robert Zimmermann

Alles ein Prozess

Das Gros der Pampanauten war großspurig genug, einfach einzusteigen, sich zu übernehmen und daraus zu lernen. Auch, dass dem ersten Jahr später Headliner wie Tocotronic oder The Notwist folgten, beweist diese Form des Übermuts. Das Schöne daran ist, dass man eigentlich keine Angst haben muss. Denn die Organisatoren des la pampa Festivals wussten nie so recht, wo sie sich hin bewegen. Sie sind einfach gestartet. Der Prozess hat ihnen dabei viele Stolpersteine aufgezeigt. Nach dem ersten Festival waren alle so urlaubsreif wie nie zuvor. Sie mussten bei Wind und Wetter bis spät in die Nacht rocken, um das zu stemmen. Aber was das einmal mehr zeigt ist, dass “Einfach machen” wirklich drin ist und gar nicht so schwer. Was es dazu braucht, ist mehr Mut. Den Mut, einfach anzufangen. Und den hatten die Pampanauten im Übermaß. Das Lernen kommt im Prozess und auch hier hatte das Festival nach den ersten Jahren immerhin einen Finanzplan und später auch einen Projektplan. Und dann wurden die Fehler vom Anfang immerhin kein zweites oder drittes Mal gemacht. Damit nicht jeder so harte Erfahrungen machen muss, gibt es die Erfahrungen der Pampanauten bei PHASE 0 nachzulesen.

la pampa ist tot

Die Theorie, dass das Leben ein Gleichgewicht braucht, schlägt aber auch im Fall des Übermuts zu Buche. Es war ein wenig ungesund, den Anspruch zu haben, das “geilste Festival Deutschlands” machen zu wollen und das ganz nebenbei. Und die daraus resultierenden Stressmomente nagen am Menschen. Auch deshalb haben die Organisatoren jetzt ihren Schlussstrich gezogen. Doch was bleibt? Die Pampanauten haben es geschafft, mit vier wundervollen und einzigartigen Veranstaltungen ihre Besucher sehr glücklich zu machen. Sieht man alle diese lachenden Gesichter, ist das ein Lohn jenseits von Plus und Minus. Nicht jede Projektidee muss Jahrtausende überleben und auf Facebook wurden bereits wohlmeinende Wünsche für die kommenden Projektideen ausgesprochen. Denn auch die Pampanauten werden weitermachen. Ins Blaue rein starten können sie ja!

Über das Projekt

LA PAMPA war eigentlich nur eine Frage des Losmachens – 20 nationale und internationale Künstler, mehrere Bühnen, Drumherum-Wohlfühlaktionen wie Kino oder Sport, 2.000 Zuschauer, Sonne und Strand. Das war es, worauf die Macher des Indi-Rock-Festivals Bock hatten und warum sie ihr eigenes Ding auf die Beine stellen wollten. Hochkonzentriert, voller Tatendrang und mit ausreichend Adrenalin ging es 2008 ans Werk: Zeitpläne wurden erstellt, Konzepte geschrieben, ein Corporate Design entwickelt, Medienpartner gesucht und Bands kontaktiert. Ein Team auf gleicher Wellenlänge, mit Spaß an der Sache, kreativ und in erregter Aufbruchstimmung. Das erste Feedback war phänomenal, doch irgendwann wurde klar: in der sprichwörtlichen „Pampa“ lassen sich so keine schwarzen Zahlen schreiben. Die Erfahrungen aber sind unersetzlich, ein Leben lang!

Mehr erfahren: www.lapampafestival.de

Aktuelles

Phase 0 wird gefördert durch
Folge Phase 0