PRAXIS

End Pilot

Über den Wolken oder Scheitern auf hohem Niveau


Das End Pilot Festival hat Künstler und Künstlerinnen in die Stadt Erfurt gebracht, die andernfalls nie in der Mitte von Deutschland gespielt hätten. Die Attitüde, die vielen kleinen Zusatzveranstaltungen und der Wille immer weiter zu machen, führte dazu dass sich in Erfurt eine ganze Szene um Indie, der nicht in eine Schublade gesteckt werden kann, entwickelt hat. Und dann haben sie noch mehr gemacht und einen Guide zum Selbermachen entwickelt, diese Freaks! Und die Idee war geboren, das aufzugreifen.

Wer ist der End Pilot?

Für den End Piloten selber ist es relativ einfach: »Ich bin ein Anfänger. Ich würde sogar sagen, dass ich ein Dilettant bin. Und kontraproduktiv. Effektivität ist ein Fremdwort, eine andere Welt. Seit acht Jahren veranstalte ich Konzerte und Kultur, organisiere Geld und Menschen, schaffe Räume für Kreativität – und ich werde nicht professioneller, nicht schneller, nicht effektiver und nachweisbar gelernt habe ich in der Zeit fast nichts. Geld wurde durch mich ohne Ende verbrannt und ich bin dabei naiver geworden. Menschen haben sich neben mir kennengelernt, aber niemand hat mich in der Liste seiner Geschäftspartner. Jedes Mal, wenn ich mich an den runden Tisch setze, die Band auszahle oder den Stift in die Hand nehme, tue ich das zum ersten Mal.

Kangding Ray © Anatole Serexhe

Denn ich habe nie etwas zweimal gemacht. Alles, was ich angepackt habe, war ein neuer Anfang, weil es größer oder besser oder einfach nur anders war, als meine Vergangenheit. Der Tag, an dem ich mich entschlossen habe, damit aufzuhören und nicht mehr nach neuen Formen für mich, den End Piloten, zu suchen, an dem Tag bin ich gestorben. Zumindest eine Form von mir. Denn wenn man einmal erkannt hat, dass der Versuch, sich selbst zu überfordern, auch fördert, dann hört man damit nicht mehr auf. Ich glaube, deswegen bin ich noch hier. Ich stecke in jedem, der einmal ein wichtiger Teil von mir war. Wenn ich zurückblicke, dann merke ich, dass ich nur die Zukunft kenne, nur den Neubeginn. Mit dem Status Quo gebe ich mich nicht mehr ab.«

Diese Anfänger

Man muss schon verrückt sein, wenn man etwas macht, ohne zu wissen wie es geht. Dieser starke Wille ist im Fall End Pilot immer der Ursprung allen Übels und Antriebs. Vor dem dritten Festival und mit diesem Wunsch, alles noch größer und/oder besser zu machen, begegneten sie dem Zughafen, Stall von Clueso, welcher ihnen half, das ganze Projekt noch professioneller in Punkto operative Organisation vor Ort aufzuziehen.

Die komplette Geschichte gibt es im Buch.

Endlos © Steffi Loos / Fotokombinat

Die Idee, Wissen zu teilen…

Endlich war aber auch das Projekt. Das End Pilot Festival gibt es nicht mehr. Aber in den Köpfen lebt es auf ewig weiter. Ein Grund sind die wunderbaren Videos, die man sich auf www.endpilot.de immer und immer wieder ansehen kann. Ein anderer ist die Broschüre “Eigenschub. Dein Make Some Action – How To.”, die es hier auch zum Download gibt. Na, Parallele entdeckt?

Über das Projekt

END PILOT war ein süßlich schmeckender, verschwitzter Konzertmarathon – geboren aus dem Wunsch heraus, der eigenen Heimat für eine gute Band nicht entfliehen zu müssen. End Pilot war ein sich wiederholender Aufprall. Er konnte nicht aufgehalten werden, denn er wollte nirgendwo ankommen. End Pilot war auch dieses Jucken unter den Fingerspitzen, etwas Bedeutendes machen zu müssen – gefolgt von Gewusel, endlosen Diskussionen, sich selbst in Frage stellen, sich verteidigen, organisieren, Streit, Euphorie, Stolz und Geschleppe. End Pilot war vor allem die Frage, wofür man das alles macht. Er wurde 2004 in Erfurt von ein paar Schülern und Musikmachern gegründet und hat sich zu einem kleinen Monster verwandelt, einem Abend an dem viele Kulturschaffende und Experimetierfreudige auf ihre ganz eigene Art mitgearbeit haben. 2009 hat er sich, nach 50 Bands, 4 Locations und mehreren Formationsflügen in Richtung Design, Video, Austellungen und Magazinen vorerst zum letzten Mal das Blut aus den Mundwinkeln gewischt.

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